Anna Pallas

 

Also, Wirtschaft sollte immer kreativ sein! Wenn Kreative wirtschaften, stellt man sich schnell ein Chaos vor. Das kann auch genau richtig sein, um innovativ zu bleiben.

Wer bist du, was machst du? Geschäftsführerin theaterpädagogische werkstatt (tpw) gGmbHAbgesehen von der Leitung unseres Unternehmens, das ich mit meinem Kompagnon Reinhard Gesse vor 18 Jahren zusammen aufgebaut habe, bin ich für die Entwicklung neuer Konzepte zuständig. Gleichzeitig sorge ich für gute Kontakte zu Stiftungen, Förderern und Auftraggebern. Eine meiner wichtigsten Aufgaben ist es, die bundesweite Vernetzung der Berufsgruppen, die mit uns zusammenarbeiten, weiter anzuregen und voranzutreiben.

Was kannst du besonders gut? Learning by doing! Die beste Voraussetzung dafür war der Job als Geschäftsführerin. Heute weiß ich viel über Kommunikation, Personalführung, Buchhaltung und natürlich die vielen Themenbereiche, die wir in unseren Theaterprogrammen behandeln. Aber besonders gut kann ich Menschen motivieren und zusammenbringen!

Was war deine bislang beste Entscheidung? Meinen Job als Sonderschullehrerin in Neustadt/Rbg. zu schmeißen und mich einer freien Kindertheatergruppe in Hannover anzuschließen. Trotz diffuser Berufsperspektive. Das ist fast 30 Jahre her! Dann meine Kinder bekommen zu haben und die Gründung der theaterpädagogischen werkstatt.

Was ist dir wichtig? Teamarbeit und Transparenz sind für mich maßgebliche Indikatoren für ein kreatives, zukunftsorientiertes und erfolgreiches Vorhaben. Aber vor allem ist mir Authentizität wichtig, persönliche und die von meinem Gegenüber.

Welchen Schritt bereust du? Keinen.

Was inspiriert dich? Wenn ich viele Eindrücke sammeln kann, egal ob in der Natur, aus Gesprächen, Kunstaustellungen oder Theater. Da geht gleich mein Ideenmotor an. Ich sage immer, dass die tpw ein „Fass ohne Boden“ ist. Das ist einerseits schön, andererseits kann man dabei auch ganz schön aus der Puste kommen.

Wie und wo arbeitest du am liebsten? Mein Arbeitsbereich ist sehr vielfältig und unterschiedlich[Matthias 1] , ich muss viel reisen, daher muss ich mich überall wohl fühlen und schnell assimilieren können. Ich bin super gern unter Menschen während eines Workshops oder im Austausch bei Proben. Hauptsache ist, dass eine wertschätzende und aufgeräumte Arbeitsatmosphäre besteht und viel gelacht wird.

Wo verläuft für dich die Grenze zwischen beruflich und privat? Ich habe viele Freunde mit in die Firma genommen und viele Freunde durch den Job gewonnen; mein Mann schreibt und inszeniert und meine Kinder jobben manchmal für die tpw. Da ist es mit der Grenze nicht ganz so einfach, aber wir haben es uns angewöhnt zu Hause so wenig wie möglich über die Arbeit zu sprechen. Manchmal gelingt es uns ganz gut!

Für welche Branchen arbeitest du? Wir machen Theater(pädagogik) in soziokulturellen Institutionen, Lehr- und Lernanstalten, und überall dort, wo man unser Angebot integrieren möchte. Das machen wir bundesweit und im gesamten deutschsprachigen Ausland. Mittlerweile sind allein in Deutschland 70 Spielteams täglich unterwegs.
Manchmal fragt auch ein Konzern oder ein Ministerium an, ob wir mit unseren Mitteln teamfördernd arbeiten können. Na klar, können wir das!

Wie bewertest du den Standort Osnabrück? Die Stadt ist überschaubar; für mich war sie gut zum Durchstarten. Ich kann mir nicht vorstellen, dass ich in angebotsstarken Städten wie Hamburg, Dresden oder München die gleichen Chancen gehabt hätte.

Was ist für dich das Besondere an Osnabrück? Man ist schnell in schönster Umgebung oder am Zielort. Osnabrück bietet eine tolle Wohn- und Lebensqualität! Hier kennt man sich untereinander, oder man kennt jemanden, der jemanden kennt!

Was muss sich ändern? Die Akzeptanz und das Interesse der Osnabrücker für Kunst und Kreativität außerhalb des Mainstreams. Osnabrück ist im Sinne des professionellen freien Theaters eine Diaspora! Hier leistet man sich außerhalb des hochsubventionierten Theaters keine weiteren Spielstätten, die ein Brutplatz für experimentelle oder performative Produktionen sein dürfen. Das sollte sich ändern!

Was bedeutet für dich Kreativwirtschaft? Also, Wirtschaft sollte immer kreativ sein! Wenn Kreative wirtschaften, stellt man sich schnell ein Chaos vor. Das kann auch genau richtig sein, um innovativ zu bleiben. Kreative (er)schaffen oft aus wenig viel. Wirtschaftlich gesehen reagiert die Gesellschaft leider zu oft mit viel zu wenig. Das darf nicht sein!

Warum bist du bei k-quadrat? Ich finde die Idee gut!!
Nicht zu unterschätzen ist die Chance des Dialoges zwischen Erfahrenen und Unerfahrenen. Und hier hat man die Möglichkeit, im Austausch miteinander alte Ressentiments abzulegen, um für eine wirkungsvolle Bündelung von Ideenreichtum zu sorgen, die als Synergieeffekt auch für eigene Umsatzambitionen genutzt werden kann.

Dein Geheimtipp in Osnabrück? Sonnenuntergang bei einem Gläschen Mineralwasser auf der Terrasse des „Leonardo´s“ (Flugplatz Atter).

www.tpw-osnabrueck.de