Netzwerk geht an den Start

Die Kultur- und Kreativwirtschaft Osnabrücks beginnt sich zu vernetzen.
Ist es in den vergangenen Jahren innerhalb der Branche immer wieder zu gemeinschaftlichen Aktionen und Projekten gekommen, so hat sich in den letzten Monaten die Zusammenarbeit zwischen Unternehmen, Institutionen und Einzelakteuren deutlich verstärkt. Ziel war die Schaffung eines eigenen Branchenverbandes, der zukünftig die Interessen der Kultur- und Kreativwirtschaft tatkräftig unterstützt. Mit der Gründung des Kreativnetzwerkes k-quadrat am 1. Februar 2012 ist dieses Ziel nun Wirklichkeit.

Über 63 Milliarden Euro trägt die Kultur- und Kreativwirtschaft zur gesamtwirtschaftlichen Wertschöpfung Deutschlands bei, über 1 Million Unternehmen und Selbstständige sind in der Branche beschäftigt.* Eine vergleichbare Zahl Erwerbstätiger arbeitet nur im Maschinenbau, weit weniger in der Automobil- oder Chemieindustrie.

 

Entsprechende Erhebungen für den Raum Osnabrück liegen nicht vor. Ein stetig wachsender Zweig der Wirtschaft, welcher in Summe der Unter­nehmen wesentlich zum Steueraufkommen der Gemeinde beiträgt, wird als Produktivkraft kaum wahrgenommen. Ein Grund: Wohl keine Branche ist derart zersplittert wie die Kultur- und Kreativwirtschaft, dessen Akteure größtenteils aus Klein- und Kleinstunternehmern bestehen.

Vitale und vielfältige Branche

„Wir haben es mit einer unglaublich vitalen und vielfältigen Branche zu tun, die jedoch bei politischen Entscheidungsprozessen beispielsweise hinsichtlich Wirtschaftsförderung und -entwicklung nicht angemessen berücksichtigt wird. Es ist schon verwunderlich, dass Unternehmen, deren Mitarbeiterzahl unter fünf liegt, in den Amtsstatistiken überhaupt nicht berücksichtigt werden. Die tauchen quasi gar nicht auf“, so der Geschäftsführer der werk.statt, Holger Schwetter.

::: Eva-Maria Lammers (rechts) Peter Heye am Gründungsabend ::: © www.kerstin-hehmann.de

Kein Wunder, dass ehrgeizige „Leuchtturmprojekte“ der Stadt bzw. Region für die Mehrzahl der hier ansässigen Unternehmer wenig bis gar keinen Effekt haben. Bekanntlich strahlen Leuchtürme vor allem nach außen. Sie selbst stehen in dunkelster Nacht.

 

Doch seit dem letzten Jahr beginnen sich neue Strukturen zu entwickeln. Die kleinteilige Branche ist dabei, sich mehr und mehr zu vernetzen. Konkrete Orte wie die werk.statt im Medienhaus, der Coworking Space in der Georgstraße, Foren wie das an wechselnden Orten stattfindende Mediencafé oder +kultur, das Kulturnetzwerk für die Region Osnabrück, haben die Bündelung und Sichtbarmachung der Kultur- und Kreativwirtschaft zum Ziel.

Nachbarstädte machen es vor

Nachbarstädte im direkten Umfeld Osnabrücks machen es vor. In weitblickenden Projekten hat hier die Wirtschaftsförderung Initiativen angestoßen, die zu umtriebigen Kreativnetzwerken wie dem cre8 in Oldenburg oder dem Klub Dialog in Bremen geführt haben. Dort ist die Sichtbarkeit der Branche längst kein Thema mehr.

„Wenn man sich Städte wie Oldenburg anschaut, ist es doch erstaunlich, wie weit fortgeschritten dort bereits der Grad der Vernetzung ist. Es ist schon toll, wenn man sieht, was an Kommunikation innerhalb der Branche, an Potenzial zur Kooperation und Wirtschaftsförderung möglich ist“, beschreibt Julia Amelung, Mitorganisatorin des Mediencafés, die Diskrepanz zwischen Osnabrück und seinen Nachbarstädten.

::: Anna Pallas (rechts) und Holger Schwetter :::  © www.kerstin-hehmann.de

Mit einem umfangreichen Kulturangebot, einer etablierten Hochschullandschaft und weiträumigen Entwicklungsflächen erfüllt Osnabrück bereits wesentliche Voraussetzungen für eine prosperierende Kultur- und Kreativwirtschaft. Durch die Gründung des Branchenverbands k-quadrat wird nun eine wesentliche Lücke in der regionalen Ökonomie geschlossen. k-quadrat wird daran arbeiten, die Rahmenbedingungen für eine zukunftsfähige Wirtschaft vor Ort zu verbessern.