Kreativwirtschaft und Zukunft der Stadt Osnabrück

Im Vorfeld der Veranstaltung „Kreative Lebensläufe“ hat k-quadrat ein Gespräch mit unserer Kooperationspartnerin Patricia Mersinger geführt. Sie leitet den Fachbereich „Stadtentwicklung und Integration“ der Stadt Osnabrück und hat die regionale Kreativ­wirtschaft im Fokus. Wir wollten von ihr wissen, warum sie sich des Themas angenommen hat.

k-quadrat: Patricia, wie heißt die Veranstaltungsreihe, die du organisierst?

Patricia Mersinger: Wir haben die Reihe „Stadt ist Zukunft“ und dabei den Schwerpunkt auf die Kreativwirtschaft gelegt.

k-quadrat: Wie bist du dazu gekommen? Warum liegt dir das Thema am Herzen?

Patricia Mersinger: Ich habe natürlich das Interesse, Themen für Osnabrück auszugraben, die andere noch nicht entdeckt haben. Ziel ist es, zu schauen, welche Potenziale die Stadt Osnabrück in bestimmten Themenfeldern hat. Die Kreativwirtschaft war ein Thema, das durch die wissenschftliche Arbeit von Richard Florida im Raum stand, in meinem Umfeld waren aber zunächst wenig Menschen da, die sich darum gekümmert haben.

Ich wollte erst einmal prüfen, ist das ein Thema für Osnabrück? Und je mehr ich mich darum gekümmert habe, umso mehr Player habe ich außerhalb von Stadtverwaltung und Politik gefunden, die dieses Thema wichtig fanden. Sie haben mich damit bestätigt, als Stadt Osnabrück an dem Thema dran zu bleiben.

k-quadrat: Ist das Konsens bei der Stadt oder sehen das deine Kollegen anders?

Patricia Mersinger: (lacht!) Die sehen das sehr unterschiedlich. Ich glaube schon, dass viele, auch durch die Veranstaltung, die letztes Jahr so gut gelaufen ist, erkannt haben, dass es sie wirklich gibt, die Kreativen, die auch wirtschaftliche Absichten haben. Die davon leben wollen oder können und die die Stadt auch als Wirtschaftsfaktor bereichern. Und daneben gibt es die Kreativen, die die Stadt auf andere Arten bereichern und die wiederum das kreative Arbeiten in der Stadt in Form von abhängigen Arbeitsverhältnissen angenehmer machen. Ich hoffe, dass die aktuellen Veranstaltungen weiter dazu beitragen, das Bewusstsein in diese Richtung zu schärfen.

Denn da ist ein wechselseitiges Verhältnis. Es gibt die Kreativen, die vielleicht eher Zuschüsse brauchen, weil sie auch fürs Gemeinwohl Kunst und Kultur machen und damit ein besonderes Flair in die Stadt bringen. Dieses Flair wiederum wird von den Kreativen gesucht, die zum Beispiel bei einer Firma wie Hellmann oder bei den Stadtwerken oder der Bundesstiftung Umwelt als Kreative arbeiten oder eine eigene Gründung planen und auch Geld ausgeben können. Diese wechselseitige Beziehung, das ist für mich ein wichtiges Thema, weil ich glaube, dass man sonst an den falschen Stellen den Sparhebel ansetzt. Gerade in der heutigen Zeit, wo der Druck zu sparen so groß ist.

k-quadrat: Was findest du am Thema Kreativbiografien spannend?

Patricia Mersinger: Es gibt viele junge Leute, die es zu motivieren gilt, dran zu bleiben und sie darin zu bestätigen, dass die kreativen Wege, die ja oft am Anfang sehr schwierig sind, auch durchaus die richtigen sein können. Da möchte ich gerne Mut machen und hoffe, dass wir dadurch Osnabrück als Kreativstandort weiter entwickeln können. Ich bin sehr kulturell und kreativ interessiert und habe auch keine Berührungsängste mit der Szene, die dazugehört. Die ist sehr spannend und es ist für jemanden, der in der Stadtverwaltung arbeitet, auch eine interessante Zielgruppe, die noch einmal eine andere Sicht auf die Dinge hat.

k-quadrat: Was macht dein Fachbereich neben dieser Veranstaltungsreihe in Richtung Kreativwirtschaft?

Patricia Mersinger: Wir haben ein offenes Stadtentwicklungskonzept erarbeitet. Das heißt, es ist ein Prozess. Es ist nicht ein Papier, über dem wir ein Jahr lang mit irgendwelchen Beteiligten brüten, es dann veröffentlichen und dann war’s das. Es ist wirklich ein offener Prozess, der sich aus mehreren Bausteinen zusammensetzt und mehrere Schwerpunktthemen beinhaltet.

Und ich habe großen Spaß daran, mit den Hochschulen zusammen zu arbeiten. Daraus ergeben sich viele Win-win-Situationen. Die Studenten machen eine konkrete Arbeit, bekommen die Praxis mit und wir kriegen für wenig Geldmittel Untersuchungsergebnisse, die wir uns sonst nicht leisten könnten. Deswegen nehmen wir auch dem Arbeitsmarkt der Gutachter nichts weg, denn wir könnten diese Aufträge gar nicht vergeben.

Wir haben ein Projekt zum Kreativraum Hafen entwickelt, wir hatten auch schon eine Studentenarbeit im Katharinenviertel. Da müsste man noch ein bisschen mehr Zeit investieren. Und wir haben ja eine ganze Liste aus unseren Experteninterviews, welche Räume interessant sein könnten als Kreativräume, und da möchte ich auch noch mehr hingucken in Zukunft. Ich hoffe, dass wir noch mehr Studenten und Professoren finden, die daran Interesse haben. Auch über Praktikumsplätze und Ähnliches, dass wir uns da auch noch andere Themenaspekte vornehmen können.

k-quadrat: Vielen Dank für das Gespräch und viel Glück für die Veranstaltung „Kreative Lebensläufe“ am 14.05.2012 in der ehemaligen Winkelhausen-Kaserne am Hafen.

Patricia Mersinger: Gern geschehen!

http://www.osnabrueck.de/kreativwirtschaft

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